zur Stupa

STUPA – EIN TEMPEL AM PFERDEMARKT?

Der Verein Stupa Hamburg e. V. und das Bezirksamt-Mitte planen weiterhin die Aufstellung eines religiösen Bauwerkes auf der kleinen Grünfläche am Neuen Pferdemarkt/Beim Grünen Jäger. Hauptförderer dieses Vorhabens ist das Buddhistische Zentrum Hamburg. Eine Standortgenehmigung war schon im Sommer 2008 von Seiten des Bezirksamtschefs Markus Schreiber für Planten un Blomen erteilt worden. Die Stadtentwicklungsbehörde hatte ein Jahr darauf letztendlich den Bau verhindert mit dem Hinweis, dass „in Hamburg seit Menschengedenken auf öffentlichen Flächen keine Symbole von Glaubensgemeinschaften errichtet“ würden (s. Welt-Online, Buddhisten planen Glücks-Tempel mitten in Hamburg, 19.06.08).

Die Möglichkeit, das 150.000 Euro teure Bauwerk, das als Geschenk an die Stadt gedacht ist, in den „Garten der Weltreligionen“ einzufügen, der anlässlich der Internationalen Gartenbauausstellung in Wilhelmsburg entstehen soll, wurden seitens des Vereines als unpassend verworfen (s. Welt-Online, Buddhisten planen Glücks-Tempel mitten in Hamburg, 19.06.08).

Die Definition des Fachamts Management des Öffentlichen Raumes der Stadt Hamburg, die die Grünfläche am Neuen Pferdemarkt/Beim Grünen Jäger einen Abstandhalter, also eine Verkehrsinsel, nennt, macht die Fläche zu einem Spekulationsobjekt.

Wir Anwohner jedoch nehmen die Grünfläche mit ihrem Boule- und Basketballplatz, ihren Rasenflächen und ihrem Baumbestand durchaus als öffentlichen Raum wahr, nutzen und wertschätzen sie. – Und dieser öffentliche Raum, der gemeinhin in unserem Viertel rar ist, soll mit Steinplatten für eine Anlage mit einer Grundfläche von über 100qm zugepflastert werden. Darauf würde ein Tempelbau mit massiven Sockel und einer Höhe von bis zu 9 Meter gesetzt werden. Hinzu kommt, dass mit einem buddhistischen Tempelbau die religiöse Neutralität dieses Platzes verletzt würde, die untrennbar Teil des öffentlichen Charakters der Grünfläche ist.

Beide Aspekte – einmal der quantitative (wie viel Grün- und Erholungsfläche geht uns verloren?), zweitens der kulturelle (wie viel religiöse Symbolik ist mit der Definition von öffentlichem Raum vereinbar?) – wiegen in ihrer Ernsthaftigkeit schwer genug, obschon sich die Anwohnerschaft in der bizarren Lage sieht, sich eines Geschenkes erwehren zu müssen.

Wir gehen davon aus, dass dieser Platz als Aufstellort für das Bauwerk eine Verlegenheitslösung für das Bezirksamt-Mitte darstellt, nachdem der Bau in Planten un Blomen bei fortgeschrittener Planung untersagt wurde, und wir fordern, dass auch in dieser Verlegenheitslage die Bedürfnisse und Interessen der betroffenen Anwohnerschaft als entscheidend mit gewichtet werden.

Wir wehren uns gegen eine unnötig in Kauf genommene Verknappung von öffentlichem Raum, der in einem so stark touristisch und vergnügungsorientiert geprägten Viertel wie dem unseren eine besondere Wichtigkeit für die Anwohner besitzt. Wir reklamieren von daher den gleichen Schutz für diesen kleinen Platz wie sie alle öffentlichen Grünflächen der Stadt genießen vor kommerzieller, kultureller und vor religiöser Vereinnahmung.


Sommer 2009: das Buddhistische Zentrum möchte auf der Grünfläche Beim Grünen Jäger eine Stupa errichten.[zur Vorgeschichte